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Bayern spart an der Bildung

Drastische Einsparungen bei den Hochschulen einerseits und der Ruf nach Studiengebühren andererseits - zum Beginn des Wintersemesters hat das bayerische Kabinett tief in die Kiste der Grausamkeiten gegriffen. Zum ersten Mal seit 1997 gehen die Studierenden deshalb in großer Zahl auf die Straße. Ende November demonstrierten alleine in München zirka 30.000 Studentinnen und Studenten.

Mehr Studierende- weniger Geld

Der Rotstift trifft die Universitäten dabei ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem die Zahl der Studierenden stark anwächst: Im Wintersemester haben sich 46.000 Studenten und Studentinnen an den bayerischen Hochschulen eingeschrieben, sechs Prozent mehr als vor einem Jahr. Und aufgrund der demographischen Entwicklung wird die Zahl der Erstsemester auch in den kommenden Jahren noch zunehmen - 2010 werden vermutlich 30 Prozent mehr Studenten an den Hochschulen eingeschrieben sein als heute.

160 Millionen Euro weniger

Angesichts steigender Studentenzahlen, überfüllter Hörsäle und einer im internationalen Vergleich zum Teil sehr schlechten Ausstattung fragen Studierende und Dozenten deshalb, wie die Hochschulen im kommenden Jahr bis zu zehn Prozent der Ausgaben einsparen sollen - insgesamt 160 Millionen Euro. Dieser Betrag war von Wissenschaftsminister Goppel ins Gespräch gebracht worden, der inzwischen jedoch betont, dass die endgültige Sparsumme noch nicht festgesetzt worden sei.

Die Sparpläne

Seit Ministerpräsident Edmund Stoiber seinen rigiden Sparkurs angekündigt hat, schlagen die Wellen hoch - vor allem im Hochschulbereich. Denn auch hier soll kräftig gespart werden, obwohl Bildung und Forschung zu den erklärten Prioritäten der Staatsregierung gehören.

2.500 Stellen in Gefahr

Insgesamt will der Staat seine Ausgaben für die Hochschulen im kommenden Jahr um zehn Prozent kürzen. Bis 2008 sollen dann noch einmal 15 Prozent wegfallen. Da 80 Prozent der Ausgaben bei den Universitäten auf das Personal entfallen, müssen die Universitäten vor allem hier ansetzen, um mit dem Geld auszukommen. Nach Berechnung des Vorsitzenden der Bayerischen Rektorenkonferenz, dem Präsidenten der Technischen Universität (TU) München, Wolfgang Herrmann, sind dadurch 2.500 Stellen an den bayerischen Hochschulen akut gefährdet

Den wissenschaftlichen Nachwuchst trifft's am härtesten

Betroffen sind davon vor allem die jüngeren Mitarbeiter der Universitäten, da sie häufig nur über Zeitverträge verfügen. So bedeuten die Sparpläne vor allem für de akademischen Nachwuchs eine Verschlechterung der Zukunftschancen.

Der Sprecher des Konvents der wissenschaftlichen Mitarbeiter der LMU, Dieter Häberle, sagt dazu: "Die Assistenten erledigen an einer Universität in etwa 60 bis 70 Prozent der Lehraufgaben und 80 Prozent der Forschungsaufgaben. Sie haben darüber hinaus, wenn wir hier das Beispiel Physik nehmen, etwa 75 Prozent der vergangenen Drittmittel eingeworben. Wenn diese Stellen zurückgeben müssen, dann entfallen die Lehrleistungen, es entfallen die Forschungsleistungen und es entfällt auch diese Drittmitteleinwerbung."

Der Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Bernd Huber, hat bereits einen Einstellungsstopp verkündet. Bleibt es bei der Zehn-Prozent-Vorgabe, müssten nach Angaben der LMU im kommenden Jahr 600 Stellen eingespart werden. Und selbst dann würden zum Sparziel noch zehn Millionen Euro fehlen.



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